01.09.2020

Soziale Elternschaft rechtlich absichern

In Deutschland wird eine Vielzahl an Familienmodellen gelebt. Die Zahl der Stief-, Patchwork- oder Regenbogenfamilien ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen, dabei hat die sogenannte soziale Elternschaft zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die rechtliche Rolle sozialer Elternteile ist jedoch unsicher. Mit dem Konzept der elterlichen Mitverantwortung wollen wir rechtliche Lücken schließen und für Kinder stabile, verlässliche und abgesicherte Beziehungen zu all ihren Bezugspersonen gewährleisten.

(...) In Regenbogenfamilien leben die biologischen Eltern meist nicht in einer klassischen Paarbeziehung. Den größten Teil der Regenbogenfamilien machen Frauenpaare mit Kindern aus, die in Paarbeziehungen ohne das zweite biologische Elternteil leben. Zunehmend werden auch Familiengründungen geplant und Familienformen gelebt, bei denen schwule Männer und lesbische Frauen sich gemeinsam dazu entscheiden, eine Familie zu gründen, die bewusst auf der sozialen Elternschaft von mehr als zwei Menschen gründet. Diese Familien sind schon vor der Geburt eines Kindes darauf angelegt, dass mehr als zwei Eltern Verantwortung für das Kind übernehmen wollen. Die gegenwärtige Situation, in der entweder der leibliche Vater und dessen Partner oder die Partnerin der leiblichen Mutter nahezu rechtlos gestellt sind, erschwert die Lebensumstände von Regenbogenfamilien mit mehr als zwei Elternteilen. Die geringen Regelungsbereiche des "kleinen Sorgerechts" werden der realen Situation in vielen Familien heute nicht mehr gerecht. Daher ist es auch mit Blick auf das Kindeswohl wichtig, tatsächlich gelebte Elternschaft auch rechtlich abzusichern.(...)

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